Leserbrief zu: Erhalt der Helfensteinklinik - harte Bandagen

Am heutigen Dienstag soll nun der Kreistag, inmitten einer Pandemie, eine Entscheidung treffen, die zu einer drastischen Veränderung der Vorsorge führen wird. Künstlich soll ein SinglePointofFailure geschaffen werden - nur ein Klinikstandort, der z.B. bei einer Hygienehavarie den gesamten Landkreis ohne Versorgung stehen lässt, die rettungsdienstliche Versorgung durch die Wachen in Geislingen und Reichenbach dauerhaft an die Grenze führt. Pendelverkehre quer durch den Landkreis werden erzeugt - wo bleibt die Ökobilanz? Wie hinter den Türen agiert wird, musste ich vor einigen Tagen zufällig in einem Insidergespräch erfahren, das wohl nicht für meine Ohren gedacht war: Für die Abrechnung bei Krankenkassen sei für bestimmte Leistungen eine jährliche Mindestfallzahl je Standort zu erreichen. Das solle Vorhaltekosten senken sowie Routine und Qualität anheben. So weit so gut. In Geislingen werden wohl jährlich je über 200 Hüft- und Knieprothesen implantiert. In Göppingen werde seit Jahren die Mindestfallzahl von wohl 70 regelmässig nur dadurch erreicht, dass Patienten zum Wechsel nach Göppingen “überredet” werden. Da muss die Frage gestellt werden, warum diese folglich “unattraktive und kaum wirtschaftlich agierende Miniversorgung” nicht beendet und nach Geislingen verlegt wird. Das sei nicht möglich, da der Abteilungsleiter, Geislingen ist sozusagen eine Hüft-Knie-Filiale, den Dienstsitz in Göppingen habe. Dem gut funktionierenden Team in Geislingen sowie der Vielzahl an zufriedenen Patienten ist also der dauerhafte Wechsel nach Göppingen zumutbar, in der anderen Richtung nicht?

Während der Bürgerinformationsveranstaltung in der Jahnhalle Geislingen letztes Jahr wurde unter anderem die Frage gestellt, warum es in Geislingen eine Palliativstation mit 8 Betten gebe, in Göppingen parallel dazu ein Palliativzentrum gebe. Die Antwort war: “In Göppingen seien es nur 4 Betten, den Angehörigen sei der Weg nach Geislingen nicht zumutbar, das müsse man doch verstehen”.

Heinz Oswald, 20. April 2021